Vom Meer zur Aussicht: In Wanderschuhen in Barcelona

Die Hauptstadt der spanischen Region Katalonien ist der ideale Ort, um aller mitteleuropäischer Ungemütlichkeit von Winter bis Aprilwetter einfach mal ein paar Tage zu entkommen. Und ein bisschen erwandern lässt sie sich auch.

Das schönste an Städtereisen ist ja, dass einem in den meisten Fällen alle Möglichkeiten offen stehen. Morgens zum Brunch, mittags shoppen, abends ins Theater und am nächsten Tag werden die Karten neu gemischt. Ganz einfach, ganz unkompliziert. Das ist auch in der zweitgrößten Stadt Spaniens nicht anders. Doch dank der Lage zwischen Mittelmeer und den Hügellandschaften Kataloniens setzt Barcelona nochmal einen drauf – und das wenn’s sein muss sogar innerhalb eines einzigen Tages.

Um beim Stadtspaziergang in Barcelona Meeresrauschen, Sightseeing und traumhafte Ausblicke miteinander zu verbinden, startet man am besten früh morgens und barfuß am Strand von La Barceloneta, der sich über mehr als einen Kilometer und drei Strandabschnitte längs des Küstenviertels der Altstadt von Barcelona erstreckt. Hier geht es an vielen Vormittagen außerhalb des Sommers vergleichsweise ruhig zu, in den Cafés der angrenzenden Straßen und Plätzen wird gemächlich in den Tag gestartet.

Stadtwandern in Barcelona: Vom Mittelmeer-Strand ruhig in den Tag starten

Die idealen Voraussetzungen, um Barcelona erstmal einen Moment aus der Ferne auf sich wirken zu lassen… Der Mittelmeerhafen an der Spitze der Halbinsel mit seinem geschäftigen Treiben, die modernen Gebäude, die sich in beide Blickrichtungen am Strand gegen das Blau des Himmels abheben, die ruhigen Strandpromenaden, an denen sich außer dem motivierten Mojito-Verkäufer mit einem Tablett samt randvoller Plastikbecher am Vormittag kaum noch eine Menschenseele herumtreibt. Für einen Moment kannst du hier vor den sanften Wellen des blauen Mittelmeers einmal ganz kurz die Zeit der lebendigen Großstadt anhalten und dich dann, wenn du soweit bist der Stadt zuwenden, die sich hinter einem von Palmen gesäumten Radweg oberhalb des Strandes Richtung katalanischem Hügelland erhebt. Eine Stadt, die so ruhig sie in diesem Augenblick auch wirken mag, voll ist von Abenteuern und Entdeckungen.

Der Stadtstrand von Barceloneta ist der perfekte Ort, die katalanische Hauptstadt Barcelona binnen eines Tages von ganz unten nach ganz oben zu Fuß zu erkunden. Foto: Sandra

Und die liegen zunächst in den Altstadt-Vierteln ganz in der Nähe der Stände Platja de la Barceloneta, Platja de Sant Sebastià und Platja de Sant Miguel, die in Barceloneta ganz jahreszeitenunabhängig Sommergefühle wachwerden lassen. Beim Streifzug im besonders hübschen Altstadtviertel Barri Gòtic, dem malerischen Parc de la Ciutadella oder der Markthalle Mercat de la Boqueria, in dem sich alle paar Schritte der Duft von aromatischem Obst und Gemüse, frischem Fisch, feinen Gewürzen und frisch Zubereitetem abwechselt, kommst du binnen weniger Minuten im Feeling der jungen Metropole an, die heute, auch dank des Auftriebs als Austragungsort der Olympischen Spiele 1992, zu den hipsten Orten Spaniens zählt.

Barcelona in einem Tag: Low Budget auf den Spuren von Antoni Gaudí in Kataloniens Hauptstadt

Zu verdanken hat Barcelona den Ruf als ideales Ziel für einen Städtetrip aber nicht nur der einfallsreichen Gastroszene und den hübschen Straßen, Gassen und Plätzen der Altstadt, in der es dank der Zweisprachigkeit Kataloniens vor Lokalkolorit nur so wimmelt. Prägend für die Stadt und ihr heutiges Bild ist auch der berühmteste Architekt des spanischen Modernisme Antoni Gaudí. Wer dem 1926 verstorbenen Revolutionär der Architektur in Barcelona folgen will, kann mit den Eintrittspreisen zur Sagrada Familia und dem zugegeben spektakulären Parc Güell im Hügelland oberhalb der Stadt eine ganze Menge Geld ausgeben. Low Budget lässt sich Gaudí bei einem Kurzbesuch der spanischen Metropole aber auch mit etwas Abstand bewundern.

Der im Vergleich fast unscheinbare Palau Güell an der Promenade La Rambla macht unweit des Stadtstrands den Anfang, bevor es über die Prachtmeile Passeig de Gràcia in Richtung der nördlicheren Altstadtviertel Eixample und Vila de Gràcia geht. Längs der Straße, die nur wenige Gehminuten von der weltberühmten Sagrada Familia endet, sind vom Mittelstreifen aus die beiden bekanntesten Wohn- und Geschäftshäuser Gaudís nicht zu übersehen. Genau wie Gaudís berühmte Kirche, kann man sich die beiden architektonischen Kunstwerke Casa Batlló und Casa Milà mit einem Ticket auch von innen ansehen.

Von den Hügeln oberhalb Barcelonas hat man auch von Weitem einen herrlichen Blick auf die alles überragende Sagrada Familia, die noch einige Jahre lang Baustelle bleibt. Foto: Sandra

Spektakulärer Aussichtspunkt über Barcelona: Die Pont de Mühlberg

Bevor es von der Innenstadt in die Richtung der faszinierenden Landschaften und Aussichtspunkten oberhalb Barcelonas geht, darf man sich einen Abstecher an die Sagrada Familia aber natürlich auf keinen Fall entgehen lassen. Denn selbst für Menschen wie mich, die Kirchenbauten sonst eher kalt lassen, war der erste Anblick der noch immer im Bau befindlichen Basilika mit ihrem ganz eigenen Baustil und den unzähligen Details ein ganz schöner Wow-Moment. Besonders schön ist der Ausblick auf die Kirche mit etwas Abstand vom nahegelegenen Plaça de Gaudí, bevor es über die Avinguda de Gaudí vorbei an einem weiteren Architekturhighlight, dem Recinte Modernista de Sant Pau, allmählich an den Aufstieg in die höheren Stadtteile Barcelonas geht.

Die Pont de Mühlberg führt hoch oberhalb der Stadt durch die Landschaft eines ehemaligen Kalsteinbruches und bietet eine der schönsten Aussichten auf Barcelona. Foto: Sandra

Ab hier lohnt sich neben dem Blick geradeaus beim Aufstieg über steile Straßen im Viertel Can Baró auch immer mal wieder ein kurzer Blick über die Schulter, da die Straßen und Fluchten im höheren Teil Barcelonas immer wieder herrliche Aussichtspunkte im Alltag sind, die sich auch auf dem Weg zurück Richtung Stadt noch ausgiebig bewundern lassen. Der hübsche Garten Jardins del Doctor Pla i Armengol ist der ideale Ort, um auf halben Weg eine kleine Pause einzulegen und sich ein mitgebrachtes Picknick zu gönnen, bevor es die letzten Höhenmeter Aufstieg ans Treppensteigen geht.

Als Aussichtspunkte eignen sich dann drei Orte nahezu gleichermaßen: der riesige Landschaftspark Parc de Guinardó, der eine schöne kostenlose Alternative zu Gaudís berühmten Parc Güell ist, die Aussichtsplattform auf dem Turó de la Rovira, einem ehemaligen Militärstützpunkt aus Zeiten des spanischen Bürgerkriegs, oder etwas unterhalb von letzterem eine alte Brücke mit dem selbst für katalonische Verhältnisse eigenwilligen Namen Pont de Mühlberg. Diese Brücke verbindet für Fußgänger und Wanderer die steilen Kalksteinfelsen eines ehemaligen Steinbruchs und bietet mitten in der Stadt schon von Weitem ein einmaliges Bild.

Wer sich Zeit lässt, bis Sonnenuntergang hier oben bleibt und dann Bus oder Metro wieder runter Richtung Stadt nimmt, der ist hier oben am besten Ort um das Naturschauspiel der untergehenden Sonne zu bewundern. Aber auch zu jeder anderen Tageszeit zählt der Ausblick von der Brücke und so ziemlich jedem Meter des finalen Aufstiegs in ihre Richtung zu den schönsten Panoramen Barcelonas, bis hin zum in der Sonne glitzernden Mittelmeer.

Welche deiner Lieblingsstädte hast du schonmal in Wanderschuhen erkundet? Ich freue mich auf eure liebsten Stadtwanderungen in den Kommentaren.

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