Von Paris zur Küste: Unsere Highlights auf der Véloscénie

Auf 442 Kilometern verbindet seit über zehn Jahren ein Fernradweg mit dem klingenden Namen Véloscénie zwei französische Touristenmetropolen. Die Reise beginnt in der Hauptstadt Paris zwischen Notre Dame de Paris und dem wuseligen Szeneviertel Saint-Germain-des-Prés und endet am Mont Saint-Michel, Frankreichs zweitbeliebteste Touristenattraktion nach dem Eiffelturm. Für uns lagen die Highlights aber vor allem dazwischen.

PRESSEREISE Über ruhige Landstraßen und ausschließlich als Rad- und Spazierwege genutzte Voies Vertes (“Grüne Wege”) führt die Véloscénie quer durch Frankreich ‒ von Paris im Zentrum bis zur Mündung des Flusses Couesnon, der unterhalb des Ärmelkanals auf der Grenze zwischen Normandie und Bretagne liegt. 442 Kilometer quer durchs Land vorbei an Sightseeing-Highlights wie dem berühmten Schloss Versailles, größeren Städten wie Alençon und Chartres und charmanten Zufallsfunden wie traditionellen Calvados- und Cidremanufakturen, den dazu passenden Apfelhöfen, verwunschenen kleinen Wasserfällen, mittelalterlichen Kleinstädten und schnuckligen B&Bs. Die eignen sich perfekt als Ausgangspunkt für Erkundungstouren, wenn man das Rad doch mal für ein paar Stunden stehen lässt.

Wir hatten Anfang Oktober das Glück, einige Tage mit zwei E-Bikes des Radreiseveranstalters France à Vélo und einigen kurzen Schummeletappen per Zug zum Abkürzen auf der Véloscénie unterwegs zu sein, und waren immer wieder überrascht, wie vielseitig die Landschaften und Orte, Besonderheiten und Geheimnisse der Regionen links und rechts unseres Wegs waren. Welche Orte uns von der Reise am meisten in Erinnerung bleiben? Dieser Artikel verrät’s!

Es gibt Tage auf der Véloscénie da verlässt man die grünen Wege, die wie hübsche grüne Tunnel durchs Land führen, nur für die Highlights am Rand der Strecke. Foto: Sandra

Vielseitiger Radweg in Frankreich: Highlights auf der Véloscénie

Die größte Auswahl an bezaubernden Stopps gibt es auf den mehr als 400 Kilometern Streckenlänge ohne Frage in Form der vielen Ortschaften sowie kleinen und großen Städten. Und neben der Landschaft zeigt sich an ihnen auch am besten, dass man sich auf der Strecke der Véloscénie weiter und weiter in den französischen Westen bewegt. Es geht aus der geschäftigen Metropole mit ihren breiten Radstraßen und vielen Grünflächen ins immer noch dicht besiedelte Umland der Region Île-de-France Richtung Versailles und von hier durch hübsche Dörfchen und Kleinstädte an den Rändern des Val Drouette entlang weiter nach Chartres und von hier in die von Landwirtschaft geprägte Region Perche an der Grenze der grünen Normandie und hier durch Mündungsgebiete immer näher ran ans Meer.

Zu den hübschesten Orten auf der ersten Hälfte der Strecke gehörte für uns neben dem hügelig gelegenen Städtchen Épernon mit seinen vielen Kopfsteinpflasterstraßen auch das für sein gleichnamiges Schloss bekannte Maintenon, um das es später noch bei den schönsten Fotostops und Sehenswürdigkeiten gehen soll. Unser Lieblingsstädtchen, in dem wir nach unserer dritten Etappe übernachten durften, war auf der ersten Hälfte der Véloscénie aber Mortagne-au-Perche. Die kleine Gemeinde hat neben etlichen historischen Gebäuden auch wunderhübsche Straßen und Plätze, wo man herrlich auf Erkundungstour gehen kann. Dazu weisen in der ganzen Stadt Metallmarkierungen im Boden auf die historischen Gebäude hin, die hier der ideale Stadtführer sind.

Das Stadttor Portail Saint-Denis ist nur eins von vielen historischen Gebäuden im Mittelalterstädtchen Mortagne-au-Perche, der ehemaligen Bezirkshauptstadt der gleichnamigen Region. Foto: Sandra

Kleiner Städtetrip zwischen Paris und der Grenze zur Normandie: Unterwegs in Chartres

Noch ein Stück vor Erreichen der Normandie, zu der die Region Perche bereits gehört, liegt mit Chartres eine der wenigen größeren Städte der Véloscénie. Hier führt eine große Shoppingmeile durch die Innenstadt, deren Aussehen der immer wieder mal alte, mal neue Gebäude prägen. Und in der Mitte von allem thront eine der beeindruckendsten Kirchen Europas. Die historische Kathedrale von Chartres ist bereits von außen ein Kunstwerk für sich, dazu kommen unglaubliche 2600 Quadratmeter historischer Kirchenfenster, die man am schönsten von innen bestaunt. Wer einen Abend in Chartres verbringt, findet in der lebendigen Stadt viele kleine Bistros und Imbisse aber auch schöne Restaurants wie das Café Bleu mit zeitgenössischer französischer Küche. Direkt nebenan sind die Cocktails der Bar Cobalt ein beliebter Ausgehtipp.

Und ausgehen und eine Nacht verbringen sollte man in Chartres unbedingt. Anlass dafür ist eine der Hauptattraktionen der Stadt, die Lichtinstallation Chartres en Lumières, die jedes Jahr mit kaum drei Monaten Pause einen Großteil der Stadt zur gigantischen Leinwand macht. Immer von April bis kurz nach Neujahr finden Lichtshows statt, die teils mit Musik unterlegt werden und die Nacht in Chartres zur schönsten Tageszeit machen. Auch mehrere Fassaden der Kathedrale dienen den Künstler*innen als Inspiration und Projektionsfläche.

Die beeindruckende Kathedrale von Chartres ist wie die Notre Dame de Paris der Muttergottes gewidmet und gilt als eine der wichtigsten gotischen Kirchen in ganz Frankreich. Foto: Felix

Radtour von Paris in die Normandie: Unsere Lieblingsorte im Westen der Route

Fast zwei Drittel der Strecke der Véloscénie führen dann durch die französische Region Normandie, die neben faszinierenden Felsen und Steinklippen, Städten wie Caen und Rouen, grünen Landschaften im Landesinneren und ihrem filmreifen Status als Ort der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg vor allem für ihr Nationalgetränk bekannt ist, den typisch normannischen Cidre, den es in etlichen Wirtschaften und Restaurants unterwegs zu verkosten gibt. Besonders spannend wird die Sache mit der Cidre-Kultur in unserem absoluten Lieblingsstop der Reise, dem Mittelalterstädtchen Domfront, wo neben dem typischen Apfelschaumwein auch der quasi genauso hergestellte Poiré aus Birnen auf so ziemlich jeder Getränkekarte steht. Die Suche nach einem Ort die Spezialität zu probieren, kann man herrlich mit dem Auskundschaften der wirklich bildhübschen Stadt verbinden. Zwischen einer alten Burg, etlichen Fachwerk- und Steinhäusern, versteckten Innenhöfen und traumhaften Ausblicken auf die Landschaft der Normandie macht sich so eine Stadtführung hier quasi von ganz allein.

Bereits auf der Etappe nach Domfront liegt aber mit der Kurstadt Bagnoles-de-l’Orne ein absoluter Muss-Stop im Inland der Normandie, wo zwischen beschaulichen Plätzen mit hübschen Springbrunnen, schöner Street Art und optisch aus der Zeit gefallenen kleinen Hotels ein hübscher Kurpark der ideale Ort ist, das Rad auch mal für einen kurzen Moment stehen und die Seele baumeln zu lassen. Hübsche Orte in Richtung der Küstenregion Manche sind dann das idyllisch gelegene Städtchen Mortain-Bocage und auf der Finaletappe zum Mont Saint-Michel Ducey am Fluss Sélune, der sich einige Kilometer weiter bei Ponaubault bereit macht, an einer Stelle mit gigantischen Gezeitenunterschieden ins Meer zu münden. Wie genau die Landschaften aussehen, die du ab hier zu sehen bekommst, bestimmt also nicht nur nicht nur wann im Jahr du auf der Véloscénie unterwegs bist, sondern auch zu welcher Tageszeit.

In der Innenstadt von Domfront hätten wir ohne Probleme mehrere Tage auf Entdeckungstour gehen können. Hier gibt es neben den vielen Fachwerkhäusern auch eine Burgruine. Foto: Sandra

Home Away from Home: B&Bs entlang der Véloscénie

Für eine entspannte Zeit auf der gesamten Véloscénie empfehlen wir die vorgesehene Maximaldauer der Route von zehn Tagen im Idealfall sogar noch ein bisschen zu verlängern, da selbst wir, die einige Etappen abkürzen konnten, mit E-Bikes unterwegs waren und das Glück hatten, unser Gepäck von France à Vélo transportiert zu bekommen, teilweise recht wenig Zeit hatten, die hübschen Orte und Sehenswürdigkeiten so richtig zu genießen. Der Vorteil daran: Ihr habt auch mehr von den hübschen B&Bs, die an der Strecke liegen und immer wieder dafür sorgen, dass ihr euch nach einem Tag auf Entdeckungstour an einem anderen Ort wie zu Hause fühlt.

Unsere beiden Highlight-Übernachtungen waren trotz der wunderschönen Hotels Grand Monarque in Chartres und Hôtel du Tribunal in der Altstadt von Mortagne die B&Bs, in denen wir zunächst außerhalb von Épernon, dann in Domfront problemlos noch einige Tage angehängt hätten. Was nicht nur an den hübschen Orten lag oder an den gemütlichen Zimmern, sondern auch an den wahnsinnig netten Gastgeberinnen. Mit der Domaine des Pousses in Droue-sur-Drouette hat Gastgeberin Julie ein kleines B&B-Paradies mit Garten, Hühnerstall, eigener Honigproduktion und bunten Blumenbeeten einen Ort geschaffen, der nicht nur entspannen, sondern auch inspirieren soll. Gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrem Partner lebt die leidenschaftliche Künstlerin auch selbst im Hauptgebäude und schafft den Gästen damit ein genauso gemütliches Zuhause wie sich selbst.

Zweites Highlight war das B&B Numéro Cinq in Domfront. Das Gebäude liegt ‒ und zwar wörtlich ‒ direkt am Fuß der auf einer Klippe gelegenen Altstadt. Aus den nach hinten gelegenen Badezimmerfenstern kann man den Fels fast berühren. Betrieben wird das B&B, aus dem man traumhafte Aussichten auf den Sonnenuntergang und die grünen Landschaften der Normandie hat, seit knapp 15 Jahren von der Engländerin Jacqueline, die der Liebe wegen nach Frankreich kam und viele gute Tipps für die Stadt parat hat.

Der womöglich schönste Ausblick auf den Sonnenuntergang bei meinen bisherigen Reisen war im B&B Numéro Cinq in Domfront. Foto: Sandra

Von Paris in die Normandie: Vielseitige Landschaften entlang der Strecke

Wer einmal auf über 400 Kilometern ein halbes Land durchquert hat, kann sich vorstellen, dass auch auf der Véloscénie so einiges an unterschiedlichen Landschaften wartet. Von mystischen Wäldern über kantige Felsen, plätschernden Flüsschen, grünen Weiden und windigen, schier unendlichen Wiesen an der Küste ist zwischen Paris und dem Mont Saint-Michel so ziemlich alles zu finden. Und dank der Radtour, die auf einigen der schönsten Pfade und Straßen durch die Landschaft führt, entdeckt man die Vielfalt auf der Véloscénie von ganz allein. Besonders hübsch bei einer Tour auf der Véloscénie im Herbst sind neben den Voies Vertes, wo das Knacken von Eicheln und Kastanien unter den Rädern dein ständiger Begleiter ist, sind die beiden schönen Waldgebiete auf der Route. Im Forêt de l’Yveline bei Rambouillet kann man mit Glück um diese Jahreszeit Hirsche röhren hören. Und im Forêt d’Andaines um Bagnoles-de-l’Orne machen sich im hügeligen Waldgebiet mit tollen Aussichten Indian-Summer-Gefühle breit.

Zu den landschaftlich schönsten Orten zählte im Inland der Normandie auch der Ort Mortain, der neben stattlichen Felsen, an denen Kletterer trainierten, auch herrliche Wanderwege zu den Cascades de Mortain hat, die die Ufer der Flüsschen Cance und Cançon zu einem absoluten Muss-Abstecher etwas abseits der Véloscénie macht. Um hierher zu kommen, nimmt man sich am besten etwas Zeit und folgt statt der direkten Route nach Mortain der Vélomaritime. Der zweite Radfernweg der Region “mündet” quasi unweit von Mortain in die Véloscénie, d.h. ab hier folgt man ohnehin beiden Radwegen.

Die Felsen und Wasserfälle von Mortain liegen nur noch knapp 1,5 Tagesetappen vom Mont Saint-Michel entfernt unweit der Radrouten Véloscénie und Vélomaritime. Foto: Sandra

Apfelhimmel und Märchenschlösser: Die Sehenswürdigkeiten zwischen Paris und der Normandie

Von den trubeligen Straßen des Pariser Szeneviertels Saint-Germain-des-Prés bis zum Mont Saint-Michel an der Küste gibt es einiges zu entdecken, was die Auswahl, wo man unterwegs anhalten sollte, zugegebenermaßen nicht gerade einfach macht. Denn wer wirklich alles auf der Véloscénie sehen willl (und wir haben es WIRKLICH versucht) kann hier ganze Wochen und Monate verbringen. Das beginnt allein bei den Schlössern. Der Klassiker auf der Route ist natürlich das weltbekannte Versailles, das jedoch an so ziemlich jedem Tag von Tourist*innen nur so wimmelt. Entspannter geht es da zu in einem Schloss etwas weiter westlich, in dem man auf Spuren und Anekdoten von Louis XIV. noch nicht mal verzichten muss. Das Wasserschloss von Maintenon war einst Sitz der Marquise de Maintenon, einer Mätresse des “Sonnenkönigs”, der hier ein Aquädukt errichten ließ, mit dem Ziel Wasser von Maintenon nach Versailles zu bringen. Geklappt hat das zwar nicht, Teile der stattlichen Bogengänge stehen jedoch immer noch im englischen Landschaftsgarten hinter dem Schloss.

Ebenfalls nicht entgehen lassen sollte man sich unterwegs auf der Véloscénie die vielen Möglichkeiten für einen Einblick in die Cidre-Produktion. Die starten bereits kurz nach dem Erreichen der Normandie ein Stück östlich von Mortagne-au-Perche mit dem hübschen Obsthof La Maison Ferré, wo der hauseigene Cidre und Calvados nicht nur selbst produziert, sondern auf knapp 20 Hektar in Form von unzähligen Apfelbäumen ausgewählter Sorten auch angebaut wird. Einen tieferen Einblick in die Geschichte des traditionellen Getränks gibt in Barenton bei Domfront das Musée du Poiré. Wer gerne eine größere Manufaktur besichtigen mag, findet den perfekten Ort dafür bei einer Betriebsführung der Calvados-Manufaktur Domaine du Coquerel etwas außerhalb der Stadt Saint-Hilaire-du-Harcouët, wo rund um ein altes Herrenhaus jährlich tonnenweise regionaler Äpfel verarbeitet werden.

Kurz gesagt: Zu sehen und erleben gibt es auf der Route der Véloscénie zwischen den Schlössern in Rambouillet und Carrouges, den Altstädten von Épernon und Vileray, den Bistros und Kinos in Paris und den Gassen des Mont Saint-Michel wirklich Unmengen, und ich wage nicht auszuschließen, dass wir nicht das letzte Mal auf der Véloscénie unterwegs waren. Denn wie bereits betont: Obwohl wir es wirklich versucht haben alles zu sehen, bleibt auch uns auf der Strecke von Paris zur Küste der Normandie noch eine ganze Menge zu entdecken.

Wart ihr auch schonmal mit dem Rad in Frankreich unterwegs? Welche Perlen habt ihr unterwegs gefunden? Verratet es mir in den Kommentaren.

Die Pressereise wurde unterstützt von France à Vélo und den Partnerregionen der Véloscénie.

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4 Kommentare

  1. Un tout grand Merci Sandra et Felix pour ce très chouette article qui va assurément motiver les lecteurs à vous suivre le long de notre belle Véloscénie 🙂
    Je vous souhaite Bonne Année 2023, ponctuée de tout plein de nouvelles belles découvertes
    bien cordialement
    Carole – Orne tourisme

    1. Merci Carole! Notre voyage sur la Véloscénie a été vraiement une aventure unique! Et certainement on va rendre à la region un jour! 🙂

  2. hallo Sandra. danke fur die Kommentare. Ich (aus dem Elsass in Frankreich) und mein Freund aus der Ortenau in Bade-Wurtemberg werden im Mai dieses Jahres die Veloscenie mit Ebike fahren. wir sind 66 und werden das erste Mal so eine grosse Fahradtour machen. was meinst du ?Schaffen wir das ? 😃

    1. Hallo Jeanine, oh da wünsche ich euch schon jetzt ganz viel Spaß! Die Route ist wirklich ein Traum! Generell ist die Strecke zum allergrößten Teil wirklich ganz entspannt zu fahren mit nur wenigen Steigungen, daher schafft ihr das ganz bestimmt. Versucht euch so um die 50km pro Tag vorzunehmen, das ist prima so zu schaffen, dass ihr euch auch noch entspannt unterwegs etwas umsehen könnt. Plant eure Übernachtungen für die Orte, die euch besonders interessieren, dann habt ihr da noch den Abend Zeit.

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