Auf Abenteuersuche im Herzen Hessens: Meine Lieblingsorte rund um Wetterau und Vogelsberg

Türkisfarbenes Wasser vor schroffen Felsen, eine Kletterpartie zu herrlichen Ausblicken, Flussquerungen ohne Brücken und eine ganze Stadt als Museumsersatz: Zwischen Wetterau, Vogelsberg und Gießener Land warten, gerade wenn die Tage heller, wärmer und länger werden, etliche Abenteuer. Und einige davon gehören sogar zu meinen absoluten Lieblingsorten in Hessen.

WERBUNG Zwischen den Bankentürmen Frankfurts, den Hügeln von Taunus und Rhön und den Landschaften entlang von Eder, Schwalm und Fulda in Nordhessen liegen im Herzen Hessens einige der unterschätzteren Regionen des Bundeslands – eine Gegend in der umso mehr Überraschungen warten. Für ein Buchprojekt für den Dumont-Reiseverlag durfte ich 2020 in Wetterau, Vogelsberg sowie im Gießener Land nach tollen Orten für Abstecher, Ausflüge, und Mini-Urlaube suchen dabei an einigen Recherchetagen ganz in der Nähe des Rhein-Main-Gebiets das Fernweh des ersten Pandemiejahres stillen.

Die Gegenden, um die es dabei geht, könnten teilweise unterschiedlicher kaum sein. Der Vogelsberg, in dem auch die höchstgelegene Stadt Hessens liegt, gilt als größtes Basaltmassiv Europas und gibt sich durch seinen vulkanischen Ursprung immer mal wieder rau und urwaldartig. Die Wetterau, wo tonnenweise Obst, Getreide und sogar einige Weinreben wachsen, zeigt sich dagegen gern von ihrer sonnigen Seite. Und wer in der Gegend rund um Gießen der Lahn folgt, findet rechts und links des Flusses immer wieder kleine Naturparadiese und kreative Winkel mitten in der Stadt.

Baden mit Aussicht – Ein Ausflug in das Naturbadebiotop Ulrichstein im Vogelsbergkreis

Im wahrscheinlich höchsten Schwimmbecken Hessens lässt sich ein entspannter Sommertag so richtig genießen. Erst Picknick, dann Sonnenbad mit einem guten Buch und jetzt nichts wie rein ins kühle klare Wasser des Naturbadebiotops, wo statt chemischer Behandlung Wasserpflanzen und Regenerationsbereiche für die entsprechende Wasserqualität sorgen.

In den kleinen Becken des Naturbadebiotops Ulrichstein sorgt das klare kalte Wasser selbst bei größter Sommerhitze für ganz herrliche Abkühlung. Foto: Felix

Dass das Bad wahrscheinlich das höchste Hessens ist, liegt daran, dass die knapp 560 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Kleinstadt Ulrichstein selbst den hessischen Rekord als höchste Stadt des Bundeslandes trägt. Ganz in der Nähe des Naturbadebiotops entspringt die Ohm mitten in der Landschaft und der 614 Meter hohe Schlossberg, in dessen Schatten von Ehrenamtler:innen der weitläufige bunte Vogelsberggarten angelegt wurde, liegt ebenfalls in Laufnähe zum Ziel des Badeausflugs.

Welche Vorurteile? – Ein Abstecher zum Streetart-Spaziergang nach Gießen

Gießen ist bunt – vor allem seit sich zahlreiche Street-Art-Künstler der Stadt angenommen haben. Entlang ihrer Kunstwerke geht’s auf eine abwechslungsreiche Stadtführung und zu immer wieder neuen Überraschungen. Da spielt es fast gar keine Rolle, ob du nun zum digitalen Streetart-Stadtführer auf dem Smartphone greifst oder dich einfach nur mit offenen Augen treiben lässt, um bloß nichts Neues zu verpassen.

Bunt, bunter am buntesten. An zahllosen Gießener Gebäuden haben sich Street-Artisten aus allen Winkeln der Welt verewigt. Foto: Sandra

Denn wo erstmal so viel kreative Energie in der Luft ist, wie in der 90.000 Einwohnerstadt, die nördlich der Wetterau und westlich vom Vogelsberg liegt, gehören ständige Veränderungen zum Rhythmus der Stadt. Das zeigt sich schon direkt am Platz vor dem Bahnhof, wo ein ehemaliger Abschnitt der Berliner Mauer immer wieder neu gestaltet wird. Regelmäßig werden außerdem im Rahmen eines Streetart-Festivals neue Flächen für Kunstwerke freigegeben.

Schäfchen zählen – Entspannte Sommerwanderung durch die Wetterauer Hutungen

Wenn sich in der Sommerhitze über der Wetterau mal keine echten Schäfchen zeigen, dann muss man sich eben mit den Schäfchenwolken zufriedengeben, die über der Naturlandschaft, die hier zwischen Hungen und Nidda als Wetterauer Hutungen beweidet und geschützt werden, gemächlich am Himmel entlang ziehen. Richtet man den Blick wieder zurück Richtung Erde führen Pfade vorbei an Wiesen und Feldern und hinein in knietiefe Wildwiesen immer mal wieder direkt in den Schatten von Obstbäumen und kleinen Waldstücken.

Eine besonders schöne Wanderung durch die Wetterau startet im Niddaer Stadtteil Eichelsdorf und führt durch herrliche Naturlandschaften und vorbei an einem Steinbruch in die Fachwerkstadt Nidda am gleichnamigen Fluss.

In der sonnigen Wetterau gibt die Landwirtschaft den Ton an, und mit ihr Felder und Wiesen voller Grillen, die für die akustische Unterhaltung bei der Wanderung sorgen. Foto: Sandra

Und jetzt hüpfen – Auf Stadt- und Wasserwanderung in Homberg (Ohm) im Vogelsbergkreis

Also irgendwas stimmt nicht mit dem Wasser in der Gegend… zumindest sollen sich die wildesten Geschichten immer genau dort abspielen. Geschichten von Goldschätzen, verschwundenen Bewohner:innen und allerhand sonstigem Fantastischem erzählen auch die Orte rund um die Schächerbachtour, die an einem Parkplatz im Süden der Stadt Homberg (Ohm) beginnt und endet. Hier sollen auch mal Räuber – also Schächer – ihr Unwesen getrieben haben, die der Route ihren heutigen Namen gegeben haben.

Von denen ist inzwischen allerdings nichts mehr zu sehen, stattdessen sorgen Waldstücke, Bäche, eine alte hölzerne Eisenbahnbrücke und immer wieder der Fluss Ohm für stimmungsvolle Momente in der Natur, die den Ausflug auf dem 9 Kilometer langen Rundweg zu etwas ganz besonderem machen, vor allem, wenn es darum geht, den Fluss unweit einer alten Mühle auf Schrittsteinen zu überhüpfen.

Wer braucht schon Brücken? Auf dem Schächerbachrundweg bei Homberg (Ohm) sorgen Felsen dafür, dass Wanderer die flache aber rauschende Ohm trockenen Fußes überqueren können. Foto: Felix

Den Bilstein stürmen – Auf den spektakulärsten Gipfel des Vogelsbergs klettern

Man muss gar nicht offiziell der Größte sein, um zu glänzen: Der Bilstein beweist’s. Wer sich im Wald auf die suche nach dem felsigen Basaltgipfel macht, den erwartet an seinem Fuß eine Kletterpartie. Zwar liegt der Gipfel im Hohen Vogelsberg ein wenig südlich, abseits der höchsten Gipfel rund um Taufstein und Hoherodskopf und ist auch gute 100 Meter niedriger als der 773 Meter hohe Taufstein, dafür liegt der Fels des Bilstein, wenn du erstmal an seinem Fuß angekommen bist, wie ein richtiger Berggipfel vor dir und nicht wie die anderen Höhepunkte des Vogelsbergs mitten im Wald.

Für den besten Ausblick startet jetzt eine kleine Kletterrunde über den Basaltfelsen, der dank seiner Form ein wenig funktioniert wie eine gigantische Treppe, also in normalen Wanderschuhen und ohne Kletterausrüstung problemlos zu schaffen ist. Wenn du länger als nur für einen Abstecher zum Bilstein unterwegs sein willst: Einige Wanderrouten im Hohen Vogelsberg verbinden den Bilstein auch mit den höchsten Gipfeln im Oberwald.

Der Gipfel des Bilsteins ist nicht nur ein spaßiger Ort für eine entspannte Kletterpartie, sondern auch der wahrscheinlich schönste Aussichtpunkt des Hohen Vogelsbergs. Foto: Sandra

Hessische Karibik – Am türkisblauen Steinbruchsee südlich von Gießen

Da hatte doch mal wieder jemand seine Insta-Hashtags nicht im Griff… der türkis schimmernde See unterhalb der mächtigen Klippen passt wirklich mehr in die Karibik als ins Gießener Land. Umso schöner dass das Paradies tatsächlich so nah ist. Und auch, wenn man im einladenden Wasser der Steinbruchs Oberkleen nicht baden kann, entschädigt der Blick hinein in den felsigen Krater, beim Picknick oder Sonnenbad problemlos für die entgangene Abkühlung.

Der Steinbruch liegt etwas südlich von Gießen abseits des Örtchens Oberkleen und ist über einen kurzen Weg durch ein Waldstück nur zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen. Einmal außenrum und zu immer neuen Perspektiven aufs glitzernde Wasser führt ein Spazierweg, der einen fast vergessen lässt, dass man mitten in Hessen ist.

Der Steinbruchsee in Oberkleen nimmt dich mit etwas Fantasie mit auf eine Reise in die große, weite Welt. Oder glaubst du, dass dieser Ort mitten in Hessen liegt? Foto: Felix

Vom See zur Quelle – Im Quellgebiet der Nidda im Vogelsberg

Man könnte ja wirklich stundenlang auf der Staumauer der Niddatalsperre stehen und einfach in die Ferne starren… Dabei lohnt sich das Weiterlaufen gerade hier. Wer der Nidda nach Nordosten folgt, findet an ihrer Quelle einen magischen Ort. Der Beginn des Flusses, der hier bereits zum stattlichen See angestaut ist, liegt nämlich gerade einmal gute 17 Kilometer nordöstlich im Hohen Vogelsberg ganz in der Nähe des Taufsteingipfels in einer Landschaft aus Wald und Hochmoorgebiet.

Wer unten in Seenähe bleiben will, kann hier auch Kurse im Windsurfen oder Stand-Up-Paddling buchen, einen Strandtag einlegen und im See baden oder ganz in der Nähe in den Wald abtauchen, um sich auf die Suche nach gigantischen Mammutbäumen zu machen.

Wer der Nidda bis zu ihrer Quelle folgt, verlässt kurz vorm Niddastausee bei Schotten die Wetterau und geht im Vogelsberg weiter auf Erkundungtour. Foto: Sandra

Alle meine Tipps die Region: 52 kleine und große Eskapaden in Wetterau und Vogelsberg

Viele weitere Orte für Abenteuer, Ausflüge und Städtetrips in Wetterau, Vogelsberg und Gießener Land inklusive Routendaten für Wanderungen und Radtouren findet ihr auch in meinem Buch 52 kleine und große Eskapaden in Wetterau und Vogelsberg, das überall im Handel erhältlich ist.

Wart ihr auch schon in der Gegend im Nordosten von Frankfurt unterwegs und habt tolle Ecken entdeckt? Dann hinterlasst mir doch eure Tipps für weitere Ausflüge in den Kommentaren!

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