Kassel im Herbst und Winter: Farben zählen im Bergpark

In einer Stadt mal eben so 300 Höhenmeter zurücklegen, dabei schroffe Felsen, plätschernde Wasserfälle und mystische Grotten zu durchqueren, so ein Erlebnis wartet in Deutschland nicht mal eben an jeder Ecke. Der Ort, der das alles zusammen bringt, liegt ziemlich genau in der Mitte des Landes und ist vielen von euch vielleicht nur vom Durch- oder Vorbeifahren ein Begriff.

WERBUNG Manchmal da sind es die kleinen Geschichten, die unsere Aufmerksamkeit erhaschen, uns für einen kurzen Moment amüsieren oder nachdenklich machen und dann nie wieder so richtig verschwinden. Geschichten, die mit einem Ort untrennbar verbunden bleiben, so banal und scheinbar alltäglich sie auch sein mögen. Geschichten, wie die von einem kleinen Kerl, der vor über hundert Jahren lebte und den ungewöhnlichen Namen Erdmann trug. Aber von vorn…

Die Zeit, als im Westen des heutigen Stadtgebiets von Kassel ein langweiliger karger Hügel mit viel Wald stand, die liegen gute 300 Jahre zurück. Damals, es war die Zeit des Barock, wurde unter der Herrschaft von Karl von Hessen entschieden, hier mit dem heutigen Bergpark Wilhelmshöhe einen Park anzulegen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Mit Seen und Wiesen, Waldflächen und kunstvollen Statuen, Wasserfällen und Fontänen, Grotten, Höhlen und einer Burg wie aus dem Mittelalter. Einen Park wie aus dem Märchenbuch.

Zwischen den vielen Märchenorten in Nordhessen zählt die Teufelsbrücke im Bergpark zu den magischsten – obwohl die Gebrüder Grimm noch nicht mal ihre Finger im Spiel hatten. Foto: Sandra

Streifzug im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel: Darum lohnt sich ein Besuch nicht nur im Frühling und Sommer

Was aus der Vision geworden ist, ist nicht nur inzwischen von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt, sondern auch einer der wichtigsten Gründe, der Stadt Kassel einen Besuch abzustatten, gerade wenn man sie wie viele nur vom Durch- oder Vorbeifahren kennt. Zwar gilt die documenta-Stadt wegen der großen Kunstmesse als einer der wichtigsten Kunstorte in Deutschland, sie ist jedoch vor allem unter einer ganzen Lawine an Vorurteilen verbuddelt. Hässlicher Bahnhof, uninteressante Innenstadt, eintöniges Stadtbild – für viele ist ein Reiz hinter größten Stadt Nordhessens damit quasi nicht vorhanden, doch spätestens am Bergpark Wilhelmshöhe, merkt man, wie unrecht man ihr damit tut.

Für die perfekte Entdeckungstour in dem Park gibt es so viele Szenarios wie Details zu entdecken. In der blühenden Frühlingssonne auf den Wiesen, im Schatten der Waldflächen in der gleißenden Sommerhitze, durchs bunte Herbstlaub oder unter stahlblauem Winterhimmel, wenn sich eine Schicht aus Puderzucker über die Stadt gelegt hat, die dir vom Herkules aus zu Füßen liegt. Du kannst einfach nur für einen kurzen Spaziergang unten am Lac vorbeischauen, den Bus rauf zum Herkules nehmen und den entspannten Weg bergab einschlagen, seitlich übers Druseltal am Bergsee Asch vorbei Richtung Löwenburg schlendern oder sportlich die Strecke mit Höhenmetern in Angriff nehmen und, oben angekommen, gleich weiter auf dem Kasselsteig in die Hügellandschaft des Habichtswalds wandern.

Ein herbstlicher Streifzug durch den Bergpark Wilhelmshöhe führt zu einer der schönsten Aussichtsplattformen auf die Farbenpracht Hessens. Foto: Sandra

Erlebnisse im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel: Geschichte trifft Naturspektakel

Meine Erfahrung, nach über einem Jahr Recherche in der Region, die mich wieder und wieder nach Kassel und in den Bergpark Wilhelmshöhe geführt hat, ist jedenfalls, dass Kassel mindestens genauso viele Überraschungen wie Vorurteile parat hat. Und die warten neben Orten, wo man sie am wenigsten erwartet, eben auch immer wieder hier im Bergpark – dem Touri-Highlight und Wahrzeichen der Stadt, das im Sommer mit seinen berühmten Wasserspielen Tag für Tag Tausende Schaulustige anzieht. Aber es gibt eben auch hier Überraschungen, Anekdoten, Geheimorte und emotionale Momente, die dafür sorgen, dass die Stunden im Park am Ende unvergesslich werden.

Wobei wir auch wieder beim Anfang unserer Geschichte wären, der Anekdote von dem kleinen Kerl namens Erdmann, die mir beim Betreten des Bergparks immer wieder sofort einfällt. Erdmann, seines Zeichens Kurzhaardackel und Lieblingsjagdhund des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., verbrachte im Jahr 1901 die letzten Tage seines Hundelebens in Kassel und damit wohl sicher auch einige Stunden im Bergpark, der direkt oberhalb der kaiserlichen Residenz auf Schloss Wilhelmshöhe liegt. Unweit des Schlosses, auf der Roseninsel im Lac, erinnert heute sein Grab an den vierbeinigen Freund des Monarchen. Was ihm passiert ist, bleibt – wie vieles – Geheimnis der faszinierenden Parklandschaft, die für mich zu den magischsten Orten in ganz Deutschland zählt.

Zwischen Brücken, Grotten und Parkwegen spielt die Natur im Bergpark Wilhelmshöhe gerade im Herbst die auffällige Hauptrolle. Foto: Sandra

52 Eskapaden in Kassel und Nordhessen: Mein neues Buch ist ab heute im Handel

Dass ich Geschichten dieser Art in den vergangenen beiden Jahren immer wieder aufspüren und erzählen durfte, dafür sorgt seit Frühjahr 2020 eine meiner liebsten Bücherreihen aus dem Dumont Reiseverlag und das fantastische Redaktionsteam, das mit immer wieder neuen Regionenideen für spannenden Nachschub an Entdecker-Inspirationen sorgt. Nach den 52 Eskapaden in Vogelsberg und Wetterau und Deutschland, die im Sommer 2021 erschienen sind, sind ab heute auch meine 52 Eskapaden in Kassel und Nordhessen im Buchhandel erhältlich.

In dem Buch, das spannende Ausflugsziele für alle 52 Wochen des Jahres parat hat, nehme ich euch mit zu den schönsten Orten im Norden Hessens, zwischen Bad Karlshafen und Marburg, Edersee und Hoher Meißner und hoffe, dass ich einige von euch genauso für die – zu Unrecht vielfach unterschätzte – Region begeistern kann, wie ihre Geschichten, Geheimnisse und Bilder mich auf meiner Recherche immer wieder begeistert haben. Wenn du selbst gern mal in Kassel und Nordhessen auf Abenteuersuche gehen magst, dann schau doch in den nächsten Tagen mal auf meinem Instagram-Kanal vorbei, wo in den Tagen nach Erscheinen des Buches ein kleines Gewinnspiel starten wird. Ich freue mich über alle die mitmachen.

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