Leuchtturmliebe und Meer: Die 7 spektakulärsten Fotospots auf Sylt

Um sich in die nördlichste deutsche Nordseeinsel Sylt unsterblich zu verlieben, reichen eigentlich eine Handvoll atemberaubender Blickwinkel vor gutem bis mittelmäßigem Nordseewetter. Kilometerlange weiße Strände vor mächtigen Kliffs, Leuchttürme, der Blick auf die schier endlose glitzernde Nordsee und Dünenlandschaften mit Fernwehfaktor machen die Insel einzigartig: Hier geht’s zu meinen liebsten Fotospots.

Wer wohl auf das wunderbare Sprachbild gekommen ist, dass man sich im Urlaub an der rauen See “den Kopf freipusten lässt”? Einfach stundenlang durch den Wind am Strand lang spazieren, dem Geräusch der Wellen lauschen und ankommen, in einer Natur, die für die meisten von uns so ganz anders ist als vor der Haustür… Wer auch immer es war, er oder sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen und besonders treffend passt die Metapher neben Urlauben in Großbritannien und Irland auch zu Ausflügen auf die Nordseeinseln der Niederlanden, Deutschlands und Dänemark.

In unserem Fall ging es in der letzten Woche zum zweiten Mal in wenigen Monaten auf die nördlichste deutsche Nordseeinsel Sylt, die mich bei meinem bisher ersten Besuch vergangenen September so angenehm überrascht hatte. Denn statt als Insel für Reiche und Abgehobene hat Sylt auch seine bodenständigen Seiten und vor allem an jedem Meter Strandabschnitt richtig tolle Landschaften zu bieten. Also heißt’s manchmal ein Auge zuzudrücken vor dicken Autos, Golfbags, Prada-Taschen und weggelifteten Falten und sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Wie sich dieses eine Auge am schönsten zudrücken lässt? Na, mit der Kamera vor der Nase und dem Sucher vorm anderen natürlich, denn zwischen Wind, Wellen und Wattenmeer warten in Sylt wirklich wunderschöne Fotospots auf Hobby-Fotograf:innen, die auch wir in unserer Woche auf Sylt mal wieder ganz wunderbar auskosten konnten. Und an meine liebsten von ihnen nehme ich dich heute mal mit.

Meine Sylt-Tipps für Fotograf:innen: Das Rote Kliff in der Mittagssonne

Los geht’s mit einem der meistfotografierten Orte der Insel, der aufgrund seiner Lage an der Nordseeküste von Kampen wirklich alles andere als ein Geheimtipp ist: das Rote Kliff. Die streng geschützte Steilküstenlandschaft aus Lehm, die sich knapp fünf Kilometer entlang der Küste erhebt und im richtigen Licht betrachtet rötlich schimmert, sorgt für den wohl spektakulärsten Hintergrund für deine Strandfotos auf Sylt. Die Frage ist nur, wie lange noch… Denn das Rote Kliff gehört zu den Orten auf der Insel, die von Klimawandel und Naturkatastrophen am meisten bedroht sind – immer wieder sorgen Sturmfluten dafür, dass Teile der markanten Steilküste abbrechen, was das Aussehen des Kliffs von Besuch zu Besuch verändern kann.

Weil am Roten Kliff die Strandzugänge teils hunderte Meter auseinanderliegen, findest du auch an schönen Tagen immer mal wieder Stellen mit menschenleeren Landschaften. Foto: Sandra

Zu einer Stelle, von der aus man trotz allem einen ganz atemberaubenden Blick auf die bis zu 30 Meter hohe Steilküste an der Nordsee hat, geht’s im Norden von Kampen über einen Dünenweg, vorbei am knapp hundert Jahre alten Leuchtturm Quermarkenfeuer. Wenn du von hier aus am Strand weiter Richtung Süden läufst, behältst du die schönste Fotoperspektive eigentlich stundenlang im Blick, während die Mittagssonne in der Ferne für atemberaubende Lichteffekte sorgt.

Alternernativ führt auch einer der schönsten Wanderwege auf Sylt über die Dünenlandschaft des Roten Kliffs und hin zu wunderbaren Fotomotiven. Von hier oben stehen statt der Steilküste eben das Meer und der kilometerlange Strand im Vordergrund deiner Fotomotive, die du dank dichtbewachsener Dünen und langgezogener Holzstege auch immer wieder spektakulär in Szene setzen kannst.

Meine Fototipps für Sylt: Strand und Klippen am westlichen Ellenbogen

Mit meinem nächsten Tipp geht es ganz nah ran an den nördlichsten Punkt Deutschlands in einen Abschnitt von Sylt, der als kleine Landzunge ins Meer hinausragt. Der Lister Ellenbogen ist der nördlichste Zipfel der Insel, gegenüber auf dem Festland befinden wir uns bereits seit mehreren Kilometern in Dänemark. Und das nächste Eiland von der Nordküste des Ellenbogens betrachtet, ist bereits die dänische Insel Rømø.

Mein erster Fototipp für den Ellenbogen liegt ganz in seinem Westen, eine gute halbe Stunde Spaziergang von der Bushaltestelle Weststrand entfernt, die man von der Haltestelle List Hafen oder mit Glück auch direkt per Schnellbus aus dem Inselhauptort Westerland erreicht. Zu verfehlen ist der Fotospot schon deshalb nicht, weil der schlichte weiße Leuchtturm List-West ihn markiert, dessen rote Spitze bereits über die gesamte Strecke des Spaziergangs für tolle Perspektiven in die Landschaft ragt.

Der Lister Ellenbogen gilt als einer der schönsten Bereiche der Insel und ist, weil er im Privatbesitz ist, mautpflichtig. Ihn zu Fuß oder per Rad zu erkunden, tut auch der Natur gut. Foto: Sandra

Richtig spektakulär wird’s allerdings dadurch, dass du hinter dem Leuchtturm den schmalen Pfad durch die Dünen einschlägst und dem Rauschen der Wellen zum Meer folgst, wo erst abertausende schwarzer Steine den feinen Sand bedecken, der sich dann zu einem der schönsten Strände der Insel öffnet. Von hier geht es in ein paar hundert Metern Richtung Osten zum nördlichsten Punkt Deutschlands.

Toller Fotospot und Lost Place auf Sylt: Wrack Mariann im Wattenmeer

Für den nächsten Fotospot geht’s ans Wattenmeer, oder noch besser in Gummistiefeln oder barfuß bei Ebbe wenige Hundert Meter raus ins Watt zu einem Fotospot, den wir während unseres letzten Sylt-Urlaubs eher aus Zufall entdeckt haben. Oder wusstest du, dass im Wattenmeer etwas östlich des Inselorts Braderup ein altes Wrack liegt?

Die wahre Geschichte des Wracks blendet man auf Fototour am Strand unterhalb der Braderuper Heide am besten aus und bleibt bei der Vorstellung eines uralten Piratenschiffs. Foto: Sandra

Die Überreste eines abgebrannten Dreimasters, der vorher einige Jahre lang als Partyboot unterhalb der Braderuper Heide lag, werden seit knapp 40 Jahren vom Meer umspült und dienen heute vor allem Hunderten Muscheln und anderen Meeresbewohnern als Refugium. Vom Strand aus kannst du mit einem entsprechenden Zoom-Objektiv herrliche Fotos vom Wrack im Wasser machen oder du gehst wie Felix es im Foto oben getan hat einfach ein paar Schritte durchs Watt und für Detailaufnahmen ganz nah ran.

Meine 7 Tipps für Foto-Spots auf Sylt: Eine andere Welt am Morsum-Kliff

Eine der schönsten Landschaften der ganzen Insel liegt ganz im Osten nur wenige Hundert Meter vom Bahndamm entfernt, über den Tag für Tag Touristenströme auf die Insel gelangen. Dass das Morsum-Kliff deswegen auf der To-Do-List eines jeden fotobegeisterten Sylt-Urlaubers landet, bedeutet das jedoch lange nicht. Sollte es aber. Denn selbst wenn man keine Profikamera mitgenommen hat, sondern “nur” mit dem Handy fotografiert, liegen hier einige der schönsten Sylt-Motive praktisch auf dem Rundweg am Kliff. Los geht’s auf dem Dünenweg ein Stück hinter dem Restaurant, das neben einem Unterstand am Parkplatz als einziges Gebäude weit und breit in die Landschaft ragt. Ab hier werden die Foto-Motive von Schritt zu Schritt besser.

Die Landschaft am Morsum-Kliff ganz im Osten von Sylt entführt dich in eine andere Welt, die auch an trüberen Tagen völlig ohne Photoshop auskommt. Foto: Sandra

An der Kante des Morsum-Kliffs angekommen, kanst du eine Aussichtsplattform ansteuern oder gleich rechts den Rundweg nehmen, der auf schmalen Pfaden über die steil abfallende Klippe in Richtung der Dünen und runter ans Meer führt. Beide Optionen geben dir die Chance, eine Farbenpracht einzufangen, mit der bei einer Nordseeinsel erstmal kein Mensch rechnet, der es noch nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Das braun des feinen Sands, der die Düne so einzigartig macht, trifft schon im Frühjahr auf satte Grüntöne der umliegenden Fauna und im Hintergrund wartet das Blau von Himmel und Meer. Pro-Tipp: Such’ dir wie wir einen klassischen, halbwegs trockenen Sylter Schietwetter-Tag zum Fotografieren aus, sonst nimmt dir die Echtheit der Fotos vor strahlend blauem Himmel zu Hause wirklich niemand ab.

Die besten Fotospots auf Sylt: Ein Traumstrand im Norden von Hörnum

Um einen der hübschesten Orte im Inselort Hörnum ganz im Süden von Sylt zu entdecken, geht’s erstmal ein ganzes Stück am Hafen lang. Die ersten Meter erscheint der Weg als würde man direkt in ein Industriegebiet radeln oder laufen, dann muss man auch noch quer über den Parkplatz des riesigen Golfhotels Budersand, hinter dem man dem Weg weiter zum Strand fast übersehen könnte. Ab hier geht’s was Ausblicke und Landschaften angeht aber steil bergauf. Eselsbrücke: Für dich bedeutet das, dass du die Treppe, die nach einigen Biegungen Richtung Dünen führt links liegen lässt und erstmal am Strand bleibst, wo du den Blick aufs Wattenmeer so richtig schön genießen oder sogar unter dem steilen weißen Sandkliff ein mitgebrachtes Picknick auspacken kannst.

Der Strand am Wattenmeer etwas nördlich von Hörnum gehört zu den schönsten Küstenabschnitten, die wir bislang auf Sylt gefunden haben – von unten wie von oben. Foto: Sandra

Am Strand geht’s dann so lang geradeaus ins diffuse Licht der Mittagssonne bis links ein Aufgang Richtung Dünen und damit zu dem traumhaften Ausblickspunkt führt, den wir zu Anfang unseres Rundgangs verschmäht haben. Meine Theorie ist aber, dass man den Strand von oben besser genießen kann, wenn man das ganze Idyll unten mit eigenen Augen so richtig schön aufgesogen hat. Über Holzstege und die Treppen vom Anfang geht’s dann wieder runter Richtung Hörnum – oder: falls du noch nicht genug hast, gleich nochmal eine Runde nach links Richtung Strand.

Meine Tipps für Foto-Ausflüge auf Sylt: Das Seefahrerdorf Keitum

Zwischen traumhaften Landschaften kann Sylt aber auch in seinen Ortschaften ganz wunderbar fotogen sein, zum Beispiel in den Dünen unweit der Hörnum-Odde, wo reetgedeckte Häuschen wie in Tolkiens Auenland aus der Hügellandschaft spitzeln oder im überraschend bodenständigen Alt-Westerland. Einer der schönsten und auch irgendwie geschichtsträchtigsten Orte ist aber das Seefahrerdorf Keitum, das nicht umsonst einige der wichtigsten Erinnerungsstätten und Museen der ehemals völlig verarmten Insel beheimatet. In zahlreichen jahrhundertealten Häusern und Höfen haben einst Seefahrerfamilien gelebt, in denen die Kapitänsfrauen teils Jahre am Stück selbst für ihren alltäglichen Unterhalt sorgten und dazu quasi nebenbei die Kinder großzogen.

Ein Fotostreifzug durch Keitum ist gleichzeitig Geschichtsstunde aus einer Zeit, in der Sylt noch hauptsächlich für mutige Seefahrer und besonders toughe Frauen bekannt war. Foto: Sandra

Um in diese Geschichten einzutauchen, reicht es fast, beim Dorfbummel die Augen nach Schautafeln an den Grundstücksgrenzen, Jahreszahlen an den Hauseingängen oder Kunstwerken in den Gärten Ausschau zu halten, die auch ohne Besuch im Sylt-Museum oder dem Altfriesischen Haus eine Menge erster Informationen bieten und teils wunderschön direkt am Meer liegen. Ebenfalls ein toller Ort für einen Abstecher ist die historische Kirche St. Severin, die neben den vielen Seefahrergräbern auf ihrem Kirchhof auch in ihrem Inneren wahnsinnig viele Spuren der Ortsgeschichte sichtbar macht.

7 Foto-Highlights an der Nordseeküste: Der Leuchtturm List-Ost im Norden von Sylt

Wobei wir beim letzten Punkt und damit auch beim zweiten Fototipp am Lister Ellenbogen angekommen wären, der trotz maximaler Entfernung zu unserer Urlaubsbasis in Hörnum immer wieder auf unserer Ausflugsliste stehen wird: der Leuchtturm List-Ost ganz im Osten des Ellenbogens. Da das gesamte Gelände des Ellenbogens in Privatbesitz ist, kommt man nur per Rad oder zu Fuß kostenlos auf die Landzunge, Autofahrer müssen hier oben eine Maut zahlen.

Die Sache mit dem Privatbesitz ist letztlich auch der Grund, warum man sich dem Leuchtturm, der für mich zu den schönsten der Insel zählt, am besten über den Strand zum fotografieren annähert, wo die Dünen ihn herrlich in Szene setzen. Sonderlich nah dran kommt man weder von hier noch von der Straßenseite aus, da auch der Leuchtturm auf abgesperrtem Privatgelände steht, daher ist ein Zoom- oder Teleobjektiv hier absolut sinnvoll. Und das mit richtig viel Glück nicht nur für den Leuchtturm.

Für mich der schönste Leuchtturm der Insel, der obwohl man ihm nur mit Abstand begegnet einen knapp einstündigen Spaziergang von einer Seite des Ellenbogens auf die andere rechtfertigt. Foto: Sandra

Auf der Spitze des Ellenbogens halten sich nämlich an ruhigen Tagen auch gerne Kegelrobben auf, die eigentlich rund um Sylt auf Sandbänken leben und sonst nur bei Schiffsausflügen aus der Nähe zu sehen sind. Doch auch ihnen darf man aus Tierschutzgründen auf gar keinen Fall zu nah kommen, so dass auch hier die Kamera viel näher rankommt als das menschliche Auge.

Und auf welchen Nordseeinseln packst du am liebsten die Kamera für Fotostreifzüge aus? Verrat’s mir in den Kommentaren!

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