Unterwegsrezepte: Als Selbstversorger im “Home away from Home”

Wer im Urlaub statt immer nur essen zu gehen auch gerne mal selbst kochen will, stößt in vielen Ferienwohnungen schnell an seine Grenzen. In dieser Serie gibt es Grundlagen, Tipps und Rezepte für Foodies, die ihre Urlaubstage trotz fremder Küche gerne mit einem entspannten Kochabend beenden.

Wer jemals versucht hat, individuell mit kleinem Budget zu verreisen, sich bestens auf alles vorbereitet, Schnäppchen bei Unterkunft und Transport geschossen hat und mit der Auswahl an kostenlosen Attraktionen vor Ort drei Urlaube füllen könnte, kennt vielleicht das Problem, das uns unterwegs immer vor massive Herausforderungen stellt, die Gretchenfrage für Low-Budget-Reisen: Und wie hältst du’s so mit dem Essen?

Tatsächlich können Ferienwohnung oder Hotel, Zugfahrt oder Flug noch so günstig gewesen sein: Was das Urlaubsbudget zumindest bei uns immer wieder gerne aus dem Rahmen wirft, ist die Tatsache, dass wir gutem Essen nur schwer widerstehen können und es lieben, auch unterwegs Empfehlungen, Geheimtipps und Hinweisen von Freunden nachzugehen. Das ging vom Foodstall in Camden Market in London aus der Netflix-Doku, über ein Dinnerdate mit Freunden beim Koreaner in Dublin, bis zum pakistanischen Imbiss mit Pay-What-You-Want-Konzept in Wien. Und natürlich lokale Küche bis zum Abwinken. Man lebt ja schließlich nur einmal. Doch dieses Leben, das geht auch früher oder später ins Geld.

Low-Budget-Reisen: Die Vorteile vom Kochen auf Reisen

Was sich für unser persönliches Low-Budget-Reiseverhalten inzwischen durchgesetzt hat, ist der Versuch, so gut es geht mit Ferienwohnungen zu planen, in denen man sich auch das ein oder andere Essen selbst zubereiten kann. Die Betonung liegt klar auf “das ein oder andere”, denn ganz verzichten sollte auf die lokale Küche ganz klar niemand! Es gibt nichts Schöneres, als oberhalb eines portugiesischen Dorfs auf die Wellen zu starren mit dem Duft von fangfrischem Fisch und aromatischem Gemüse in der Nase oder das Glücksgefühl inmitten einer der untouristischsten Viertel einer Stadt einen Laden ausgemacht zu haben, dem nahezu alle Bewohner im Umkreis von einem Kilometer in ihrer Google-Bewertung fünf Sterne fürs beste Comfort Food des Alltags verpasst haben. Nichts Schöneres! Ernsthaft!

Dennoch können auch schon einige nicht auswärts gegessene Mahlzeiten im Urlaub dafür sorgen, dass die Ausgaben für Essen drastisch sinken. Eine Basic-Ausrüstung dazu sollte es in den meisten Airbnbs, Ferienwohnungen und Co. geben. Für alle, deren Ambitionen dabei über aufgewärmte Ravioli hinausgehen, gibt es in dieser Serie Tipps, Inspirationen und Rezeptideen. Folge 1: Die Grundlagen.

Kochen in der Ferienwohnung: Einfache Grundausstattung

Die Grundausstattung von Ferienwohnungsküchen hat in den allermeisten Fällen nichts mit der eigenen Küche zu Hause zu tun, jedenfalls nicht, wenn man es gewohnt ist, seine Küche für mehr zu verwenden als für Tiefkühlpizza und Käsebrötchen. Und auch wenn ein Zweiplattenherd, die Abwesenheit eines Backofens und eines prall gefüllten Vorratsschranks einen vor Herausforderungen stellen, kann man doch eine Menge machen, vor allem wenn man ein wenig vorbereitet ist.

Zur Vorbereitung gehören zwei Phasen: Zunächst alles, was man schon beim Packen für die Kochabende der Reise vorbereiten und ohne großen Aufwand mit an den Urlaubsort nehmen kann (wir selbst reisen ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und damit möglichst kleinem Gepäck). Phase zwei ist dann der Vorratseinkauf vor Ort.

Klassiker für die Urlaubsküche: Käsespätzle aus Fertigspätzle, Zwiebeln und Reibekäse

Wir starten bei den Reisevorbereitungen und zwar so generell wie möglich. Denn klar, kannst du mit den Vermietern der Ferienwohnung klären, ob eine Profiküchenausstattung vorhanden ist, und in diesem Fall dann auch ganz tiefenentspannt und ohne Sorgen anreisen, unserer Erfahrung nach ist der Standard jedoch ein anderer. Das beginnt schon bei den Messern: Genausowenig wie in vielen Ferienwohnungen ein Backofen vorhanden ist, solltest du mit einer großen Gewürzauswahl, bestimmten Küchenwerkzeugen oder anderen Basics rechnen.

Selbstversorgen und kochen auf Reisen: Die Gerichtauswahl

Am besten, du machst dir also bereits im Vorfeld einige Gedanken über Gerichte, die sich gut unterwegs kochen lassen und welchen Aufwand du dafür betreiben willst. Die einfachste und gänzlich unkomplizierte Variante für einen Selbstversorger-Urlaub ist, sich unterwegs mit Convenience-Produkten einzudecken, die sich in der Ferienwohnung zubereiten lassen oder dich auf kalte Küche einzustellen. Dann genügen an Werkzeug Schere und maximal ein Dosenöffner, an Gewürzen zur Not Salz und Pfeffer. Von Kochen kann dann zwar noch nicht die Rede sein, aber es ist praktisch und zeitsparend.

Ferienwohnung-taugliche Gerichte: Convenience-Basis
Käsespätzle
mit Eierspätzle, geriebenem Käse, Zwiebeln, evtl. Sahne, Röstzwiebeln, Lauch
Hot-Dogs
mit Wiener-/Veggie-Würstchen, Ketchup, Röstzwiebeln, Essiggurken, evtl. Krautsalat
Pesto-Spaghetti
mit Pasta, Fertigpesto, evtl. gebratenen Cocktailtomaten und Zwiebeln, Pinienkerne
Tortellini
mit Pilzsauce mit Fertig-Tortellini, Pilzen, Zwiebeln, Sahne, Brühwürfel, evtl. Speck
Nudelsalat
mit Pasta, Dosenmais, frischem Gemüse, Salatmajo, evtl. Lyoner, (Veggie-)Würstchen oder Steak

Vielleicht gehörst du aber auch zu der Sorte Mensch, die in ihrer Freizeit Spaß am Kochen haben und das auch auf den Urlaub ausweiten wollen. Dann musst du zwar neben Kleidung auch noch an ein paar andere Gegenstände im Urlaubsgepäck denken, hast mit ein paar einfachen Maßnahmen aber auch eine Küchenausstattung, die sich (mit Abstrichen) anfühlt wie zu Hause. Mit den folgenden drei Tipps kannst du dir das Leben auf Reisen massiv erleichtern.

Kochen in der Ferienwohnung: Drei Tipps für Hobby-Köch:innen

Tipp 1 – Messerrolle für Kochmesser: Der erste Tipp sorgt zwar einmalig für Anschaffungskosten, lohnt sich aber für jeden, der schon einmal an schlechten Küchenmessern in Ferienwohnungen verzweifelt ist. Klar kann man große Mengen Gemüse oder Suppenfleisch mit einem winzigen stumpfen 10 Jahre alten Küchenmesser aus dem Supermarkt schneiden, Freude beim Kochen steht trotzdem im massiven Gegensatz zu diesem Erlebnis.

Unsere Lösung nach einigen solcher Kochmomente im Urlaub war die Anschaffung einer Küchenmessertasche, die sich zusammenrollen und sicher im Urlaubsgepäck verstauen lässt. So packen wir einfach zwei bis drei Küchenmesser von zu Hause in den Koffer (natürlich nur auf dem Landweg!) und ersparen uns so Nervenzusammenbrüche in engen Küchenzeilen.

Eine Messertasche und kleine Vorratsgläser nehmen im Reisegepäck nicht unendlich viel Platz ein und sind trotzdem eine riesige Hilfe. Foto: Sandra

Tipp 2 – Gewürzmischungen vorbereiten: Für die nächsten beiden Tipps kann es sich lohnen, schon im Vorfeld ein wenig drüber nachzudenken, was man im Urlaub gerne essen möchte, sodass man sich mit einfachen Bordmitteln vorbereiten kann. Denn es ergibt eigentlich wenig Sinn, sich im Urlaub mit unzähligen Gewürzen einzudecken, nur weil man mal eben spontan Lust auf ein indisches Curry hat. Wer ein paar Tage vorm Beginn der Reise in sich reinhorcht und den Heißhunger auf Curry, Bratkartoffeln, gebratene Nudeln oder eine aromatisch gewürzte Tomatensauce spürt, kann sich seine Gewürzmischungen dafür ganz einfach zu Hause vorbereiten und mitnehmen. Als Gefäß dafür eignen sich ideal…

Basics beim Kochen um Urlaub: Der Vorratsschrank für unterwegs

Tipp 3 – …Marmeladengläser für Basics: Wo wir auch schon beim dritten und letzten Tipp wären. Wer wie wir übers Jahr so einiges an großen und kleinen Marmeladen-, Gurken-, Pesto- und Obstgläsern verwendet, tut sich fürs Kochen im Urlaub einen Gefallen, auch mal das ein oder andere davon aufzuheben, auszuspülen und weiterzuverwenden. Klassisches Beispiel: eine kleine Portion Mehl. Bei unserem letzten Nordseeurlaub auf Sylt hatten wir ein ganz fantastisches Fischrestaurant mit Ladenverkauf um die Ecke, in dem das tägliche Auswärtsessen aber ganz schön ins Geld gegangen wäre.

Unsere Alternatividee, frische Fischfilets mit Gemüsereis, inspiriert vom portugiesischen Gericht Bacalhau à Bras, das ich einige Tage zuvor in Portugal gegessen hatte, selbst zuzubereiten, hat zwar mit Glück auch prima mit Bordmitteln der Ferienwohnung funktioniert, meliert hätten wir die Filets sinnvollerweise trotzdem für ein besseres Ergebnis. Wer nicht riskieren möchte, dass zurückgelassene Vorräte in der Ferienwohnung, etwa geschätzt 950g nicht verwendetes Mehl, nach der Abreise weggeworfen werden, nimmt sich einfach kleine Mengen von zu Hause mit. Auch hier kann ein vorab erstellter grober Speiseplan nicht schaden.

Musstest du beim Versuch im Urlaub selbst zu kochen auch schonmal kreativ werden? Oder hast du Wünsche für Tipps und Rezeptideen? Dann kommentiere doch gern deine Probleme und Lösungen unter diesem Beitrag.

Empfohlene Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.